Bericht zum Imkerforum 2014 in Veitshöchheim

Geschenküberreichung an Hans Klein (rechts),
daneben die Honigkönigin von Bayern

Am 1.02.2014 fand in Veitshöchheim wieder das Imkerforum statt, bei dem ich zum ersten Mal dabei war. Die Veranstaltung war sehr gut besucht, der Saal bis auf den letzten Stuhl besetzt. Darunter auch königlicher Besuch, die bayerische Honigkönigin hatte es erfreulicherweise vom Allgäu bis nach Veitshöchheim geschafft. Nach einem Begrüßungsmarathon erhielt Ministerialrat Hans Klein ein als Zeichen der Wertschätzung seiner Arbeit ein Präsent, da er bald in den Ruhestand geht.

Nun zu den Vorträgen jeweils ein paar Stichpunkte, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Unterschiede Bio Imkerei und konventioneller Imkerei (Name der Vortragenden leider nicht bekannt)
    • In dem Vortrag wurden die Unterschiede zwischen konventioneller und BIO-Imkerei erläutert (auf Grundlage der EU-Bio-Zertifizierung)
    • Wesentlicher Unterschied im Vergleich zur bestehenden Arbeitsweise der meisten Imker besteht in die Dokumentationspflicht. Es muss nahezu alles dokumentiert werden. (natürlich gibt es noch einiges mehr zu beachten, weiterführende Infos hier)
    • Jährlich erfolgt eine Prüfung (u.U. auch mehrere), die Kosten muss der Imker tragen. Die Kosten wurden grob mit 300-500€ je Prüfung beziffert. Bei der ersten Prüfung ist der Aufwand höher, da der komplette Betrieb aufgenommen werden muss.
    • Ab 2014 gibt es vermutlich einen jährlichen Zuschuss in Höhe von 200€ für die Prüfungskosten (aus einem nationalen Fördertopf, nicht EU)
    • Unterschiede zwischen konventionellem und BIO-Honig gibt es kaum bis gar nicht. Allerdings steigt die Nachfrage nach BIO-Honig stark, was zu vermehrtem Import von BIO-Honig führt. Dem sollen die Imker durch vermehrte Zertifizierungen entgegen wirken.
  • Arbeiten an einer Belegstelle, am Beispiel der Belegstelle Ostertal (Johann Fischer)
    • Die Arbeiten an einer Belegstelle sind oft mehr als zuerst erwartet. Es werden nicht nur Völker und Königinnen beurteilt, sondern auch Drohnen.
    • Pro 25 Begattungskästchen sollte 1 Volk auf der Belegstelle sein. In Ostertal werden mit 20 Völkern pro Jahr 1500 Königinnen begattet.
    • Drohnensammelplätze werden erkundet und beobachtet
    • Es werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt. Besonders beeindruckend war das Beispiel, bei dem das Flugverhalten der Königin beobachtet wurde. Dazu wurde am Flugloch von Begattungskästen ein Plexiglas-Kasten angebracht. Durch ein Gitter konnten nur Arbeiterinnen ein- und ausfliegen. Dann stand vor jedem Kasten ein Imker und hat gewartet, bis die Königin raus will. Sobald die Königin gesichtet wurde, hat man Zeitpunkt notiert und die Königin ausfliegen lassen. Und gewartet bis die Königin zurück kommt. Dabei wurde zum Beispiel festgestellt, dass für Königinnen-Verluste oft sogar das eigene Volk verantwortlich ist. Durch den Begattungsflug und die Paarung mit Drohnen verändert sich der Geruch der Königin. Dies kann zur Folge haben, dass die Königin nicht mehr ins Volk gelassen wird.
  • Erfahrungen aus 100 Mio Jahren Betriebsgeschichte Bienenvolk (Gerhard Müller)
    • Bienen haben einen Reißverschluss an den Flügeln. Zum ausfliegen wird der Reißverschluss geschlossen, im Volk werden die Flügel aus Platzgründen geteilt.
    • Eine Arbeiterin fliegt (nur) ca. 11 mal Tag aus
    • Bienen sehen unscharf, da sich ihre Pupille nicht Entfernungen anpasst. Dafür sehen Bienen mit einer Rate von 220 Bilder/Sekunde sehr schnell. Beim menschlichen Auge sind es ca. 60 Bilder/Sekunde.
    • Haupt-Nektar-Absonderung bei Blüten ist am frühen (Nach)mittag. Die Ausrichtung der Beute ist also unwichtiger als bisher angenommen.
    • Flugbretter am Bienenvolk, nötig oder nicht? Gerhard Müller meint Nein, da es bei frei lebenden Bienenvölkern auch keine Flugbretter gibt. Natürliche Selektion wird ohne Flugbrett gefördert. Da geschwächte Bienen (z.B. durch Pestizide) es evtl. nicht mehr ins Volk schaffen.
      • Ausnahme: bei starker Waldtracht könne das Flugbrett 1-2 Kg Mehreintrag pro Tag bringen (Beitrag von Imker aus dem Publikum)
    • Man solle Bienenvölker besser einzeln oder in Zweiergruppen aufstellen. Dann können sich Bienen besser orientieren und der Imker braucht die Kästen nicht bemalen.
    • Gerhard Müller ruft dazu auf, die eigene Imkerei genau zu betrachten, zu hinterfragen und zu verändern. Er betont ausdrücklich, dass Veränderungen gut sind aber es der falsche Weg sei, gleich in das andere extrem zu wechseln.
  • Bienen-Monitoring Projekte & Einfluss spätblühender Trachtpflanzen (Dr. Stefan Berg)
    • http://www.bienenmonitoring.org, http://fitbee.net/
    • Beim Bienenmonitoring (nicht fitbee) werden von 120 Imkern jeweils 10 Volker durch Besuche und Analysen vor Ort überwacht.
    • Nosema war früher hauptsächlich als Frühjahrserkrankung bekannt, tritt mittlerweile aber zunehmend auch im Sommer auf. Hauptgrund hierfür sei, dass der bisherige Erreger Nosema Apis vom Erreger Nosema Ceranea verdrängt wird. Problematisch sei bei dem neuen Erreger vor allem, dass die klassischen Symptome wie verkotete Waben oft nicht auftreten und die ausgebrochene Krankheit somit unentdeckt bleibt.
    • Proben von Bienenbrot werden mittlerweile auf fast 400 Wirkstoffe geprüft
    • Bei Untersuchungen von Bienenbrot waren ca. 90% der Proben mit Wirkstoffen (z.B. von Pestiziden) belastet, zum Teil wurden auch verhältnismäßig hohe Konzentrationen nachgewiesen.
    • In einer Probe wurden 20 verschiedene Wirkstoffe gefunden
  • Durchwachsende Silphie, Trachtpflanze mit Potential? (Name der Vortragenden leider nicht bekannt)
    • Bisher kann die durchwachsene Silphie nur in Form von Steckpflanzen angebaut werden. Deshalb scheuen die Bauern die Pflanze noch, da ein sehr hohes finanzielles Risiko besteht. Zudem muss sich die Pflanze erst noch in den Biogasanlagen beweisen.
    • Pflanze blüht sehr lange, ca 6 Wochen. Problematisch ist, dass die Pflanzen teilweise vor der Blüte geerntet werden.
    • Test-Feld mit der spätblühenden Pflanze wurde überwacht. Die Blüten wurden hauptsächlich von Honigbienen angeflogen. Ca. 80 Liter Nektar (nicht Honig) pro Hektar durchwachsende Silphie. Es kann aber durchaus noch mehr sein, da während des Testzeitraums im Sommer 2013 trockenstress herrschte.

 

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